Welche Kamera ist für welches Motiv geeignet
Wenn du mit der Fotografie anfängst, stellst du dir früher oder später wahrscheinlich die Frage: Welche Kamera ist für meine Motive eigentlich die richtige? Die Auswahl ist groß. Smartphones, Kompaktkameras, Bridgekameras, Systemkameras und Spiegelreflexkameras haben jeweils unterschiedliche Funktionsweisen.
Es kommt immer drauf an, wofür du die Kamera benutzen willst. Landschaften, Tiere, Sport oder Nachtaufnahmen. Jedes Motiv stellt unterschiedliche Anforderungen an Kamera und Objektiv. Deshalb lohnt es sich, zuerst über die eigenen Motive nachzudenken.

Auf dieser Seite zeige ich dir, welche Kameratypen sich für bestimmte Motive besonders gut eignen und worauf du bei der Auswahl achten solltest. So findest du leichter die Kamera, die zu deiner Art der Fotografie passt.
Welche Kamera eignet sich für Landschaftsfotografie?
Bei der Landschaftsfotografie sind die Ansprüche an die Kamera nicht so hoch. Das setzt allerdings gutes Licht voraus. Es sollte also ausreichend hell sein. In der Regel möchte man viel von der Landschaft aufnehmen. Dafür benötigst du ein Weitwinkelobjektiv. Eine Erklärung zu den einzelnen Objektiven findest du in meinem Beitrag „Das richtige Objektiv finden“. Idealerweise hat die Kamera ein Weitwinkelobjektiv oder deckt zumindest diesen Bereich ab.

Kamera: Sony Vollformat 7M2 - Belichtung: 1/80 - Blende: f/8 - ISO: 100 - Brennweite: 18mm
Für Landschaftsaufnahmen benötigst du mindestens eine Kompaktkamera oder ein Smartphone. Grundsätzlich sind alle Arten von Kameras möglich. Achte bei dem Objektiv darauf, dass dessen Brennweite den Bereich zwischen 18 mm und 35 mm abdeckt. Bei schlechten Lichtverhältnissen, also bei Dämmerung oder Dunkelheit, musst du auf die Lichtstärke des Objektivs achten oder ein Stativ nutzen.
Empfehlung und Zusammenfassung: ▼
Du kannst fast jede Kamera verwenden. Die Brennweite sollte zwischen 18 mm und 35 mm (Weitwinkelobjektiv) liegen. Achte bei schlechten Lichtverhältnissen außerdem auf die Lichtstärke.
Die richtige Kamera für Tierfotografie
Wenn du gerne Tiere fotografierst, werden die Ansprüche an die Kamera für Anfänger schon größer. Tiere haben oft zwei Dinge gemeinsam: Sie sind weit weg und sie bewegen sich. Unerhört! Für die Entfernung benötigst du ein Zoom- oder Teleobjektiv. Für die Bewegung benötigst du eine kurze Verschlusszeit. Du möchtest die Bewegung schließlich einfrieren und das aufgenommene Tier scharf abgebildet sehen.

Kamera: Sony-6500 - Belichtung: 1/400 - Blende: f/6.3 - ISO: 1000 - Brennweite: 214mm
Welche Einsteigerkamera nehme ich für die Tierfotografie?
Wie bereits erwähnt, brauchst du für die Tierfotografie in der Regel ein starkes Zoom- oder Teleobjektiv. Eine Kompaktkamera fällt deshalb meist aus der Auswahl heraus, da das Objektiv nicht gewechselt werden kann und der Zoombereich begrenzt ist.
Eine günstige Alternative sind Bridge- oder Zoomkameras. Diese Kameras bieten oft einen sehr großen Zoombereich. Auf dem Papier wirkt das beeindruckend. In der Praxis war ich mit der Bildqualität allerdings nie wirklich zufrieden.
Meine Empfehlung für diese Art der Fotografie ist eine System- oder Spiegelreflexkamera in Kombination mit einem guten Teleobjektiv. Damit erreichst du eine deutlich bessere Bildqualität und mehr Flexibilität bei den Aufnahmen. Es gibt allerdings einen Haken: Diese Lösung ist deutlich teurer.
Wenn du nicht so viel Geld ausgeben möchtest, kannst du auch eine Bridgekamera wählen, die nicht so stark zoomen kann. Mit einer Brennweite von etwa 250 mm lassen sich bereits gute Tierfotos machen.
Achte außerdem darauf, dass es sich um einen optischen Zoom handelt. Digitaler Zoom ist immer möglich, das könntest du später genauso gut mit einer Bildbearbeitungssoftware machen. Der digitale Zoom hat nämlich einen großen Nachteil: Das Bild wird zwar vergrößert, verliert dabei aber an Qualität und wirkt schnell unscharf oder pixelig.
Empfehlung und Zusammenfassung: ▼
Geeignet sind Zoom-Kameras, die es mit der Brennweite nicht übertreiben. Noch besser geeignet sind jedoch System- oder Spiegelreflexkameras mit einem guten Zoom-Objektiv. Achte dabei immer auf die Lichtstärke.
Porträtfotografie: Kamera und Objektiv
Menschen gehören zu den interessantesten Motiven. Eine Möglichkeit, sie in Szene zu setzen, sind Porträtfotos. Doch das ist nicht so leicht, wie es sich anhört. Allein die Tatsache, dass die Schärfe immer auf den Augen liegen sollte, erfordert einiges an Geschick. Die Tatsache, dass das Licht viel zum Erfolg des Fotos beiträgt, ist ein weiterer wichtiger Aspekt, der nicht außer Acht gelassen werden sollte. Bei einem Porträt sieht es häufig gut aus, wenn der Hintergrund verschwommen und nicht scharf abgebildet ist.

Beispiel eines Porträtfotos
Da ich keine privaten Fotos hier veröffentlichen möchte habe ich ein KI-Bild genommen
Um die Schärfe der Aufnahme auf die Augen auszurichten, ist ein guter Autofokus der Kamera notwendig. Hilfreich wäre es auch, wenn du den Autofokuspunkt verschieben kannst. Einen verschwommenen Hintergrund erreichst du durch eine geringe Schärfentiefe, bzw. durch eine offene Blende. Darüber hinaus sollte das Objektiv 50mm und aufwärts umfassen.
Eine Erklärung der Blende und Schärfentiefe erhältst du in dem Artikel: Grundlagen.
Empfehlung und Zusammenfassung: ▼
System- und Spiegelreflexkameras sind für Porträtfotografie besser geeignet. Eine Brennweite über 50mm sollte vorhanden sein. Du benötigst ein gutes Objektiv mit einer möglichst weiten, offenen Blende
Architekturfotografie
Die Architekturfotografie bietet eine Vielzahl möglicher Motive. Bauwerke aller Art wie Schlösser, Burgen, Kirchen und Brücken.
Was haben diese Motive gemeinsam?
Nun, sie sind in der Regel ziemlich groß und werden durch Linien geprägt, die das Bild durchziehen. Oft führen diese zu einem Fluchtpunkt. Das Thema der Innenaufnahmen betrachten wir hier erst einmal nicht.
Wenn du viel vom Gebäude auf dein Bild bekommen willst, benötigst du ein Weitwinkelobjektiv. Das hat allerdings einen kleinen Nachteil. Die geraden Linien, die du häufig in der Architekturfotografie findest, werden gekrümmt. Das kann manchmal gut aussehen, manchmal aber auch nicht. Ab einem Objektiv mit 50 mm sind die Linien wieder gerade, aber du bekommst nicht mehr so viel auf dein Foto. Verzwickt.

Kamera: Sony Vollformat 7M2 - Belichtung: 1/320 - Blende: f/8 - ISO: 100 - Brennweite: 18mm
Zum Glück können wir Bilder in der digitalen Fotografie nachträglich bearbeiten. So werden die Linien wieder gerade. Für das Problem der krummen Linien gibt es sogenannte Tilt-Shift-Objektive. Diese sind allerdings recht teuer, weshalb wir es erst einmal ohne versuchen.
Meiner Meinung nach kommst du bei der Architekturfotografie nicht um die Fotobearbeitung herum.
Empfehlung und Zusammenfassung: ▼
Alle Kameramodelle sind möglich, ein Weitwinkelobjektiv bis 35 mm ist gut geeignet und eine anschließende Fotobearbeitung ist oftmals notwendig.
Die Kamera für Einsteiger in der Sportfotografie
Sport bedeutet schnelle Bewegungen. Nun ja, nicht bei allen Sportarten. Beim Denk- oder Angelsport ist es eher ruhig. Bei vielen anderen Sportarten hingegen ändern sich die Motive blitzartig. Beispielsweise kann der Ball in der einen Sekunde noch vor dem Fuß sein und in der nächsten schon wieder weg. Oft ist man vom eigentlichen Geschehen weiter weg, sitzt oder liegt.
Für die Sportfotografie braucht man deshalb vor allem eine schnelle Kamera. Wichtig ist ein schneller Autofokus, der bewegte Motive zuverlässig verfolgt. Auch eine hohe Serienbildgeschwindigkeit ist von Vorteil. Mit dieser Funktion kannst du mehrere Bilder hintereinander aufnehmen und später das passende auswählen.
Da sich viele Motive in einiger Entfernung befinden, sind Tele- oder Zoomobjektive oft notwendig. Damit holst du das Geschehen näher heran. Bei Hallensportarten oder bei schlechten Lichtverhältnissen ist außerdem eine Kamera von Vorteil, die auch bei höheren ISO-Werten noch eine gute Bildqualität liefert.

Kamera: Sony Vollformat 7M2 - Belichtung: 1/640 - Blende: f/6.3 - ISO: 100 - Brennweite: 240mm
Für Einsteiger sind deshalb besonders System- oder Spiegelreflexkameras mit Wechselobjektiven geeignet. Kompaktkameras oder Smartphones können zwar ebenfalls Sportaufnahmen machen, bei schnellen Bewegungen oder größerer Entfernung stoßen sie jedoch schnell an ihre Grenzen.
Empfehlung und Zusammenfassung ▼
Nimm möglichst eine System- oder Spiegelreflexkamera mit schneller Serienbildfunktion und leistungsfähigen Autofokus. Dazu ein gutes Zoom- oder Teleobjektiv. Achte auf die Lichtstärke.
Streetfotografie
Streetfotografie findet in öffentlichen Räumen wie Straßen und Cafés statt. Im Mittelpunkt stehen die Menschen. Entscheidend sind der richtige Augenblick und die Darstellung der vorhandenen Atmosphäre. Das hat in vielen Fällen schon einen dokumentarischen Charakter. Bei dieser Art der Fotografie solltest du unbedingt die rechtliche Situation in Deutschland beachten, denn für eine Veröffentlichung des Fotos ist die Einwilligung der abgebildeten Person erforderlich.
Da du die Menschen möglichst ungezwungen ablichten möchtest, ist eine unauffällige Kamera wünschenswert. Am unscheinbarsten ist heutzutage das Smartphone. Es ist für die Streetfotografie gut geeignet. Hinzu kommt, dass du es immer dabei hast und so spontan reagieren kannst. Schwieriger wird es bei Nachtaufnahmen oder schlechten Lichtverhältnissen. Hier solltest du auf eine andere Kamera umschwenken.
Die Menschen bewegen sich. Daher sind ein guter Autofokus und eine kurze Belichtungszeit notwendig.
Empfehlung und Zusammenfassung ▼
Jede Art von Kamera ist möglich. Kleinere und unauffällige Kameras sind manchmal besser geeignet. Jede Art von Objektiven ist möglich. Achte auf einen schnellen Autofokus.
Fazit und Zusammenfassung
Wenn du eine Kamera aussuchst, ist vor allem eine Frage wichtig: Welche Motive willst du hauptsächlich fotografieren? Je nachdem, um welche Art von Fotografie es sich handelt, brauchst du für die Kamera und das Objektiv unterschiedliche Ausrüstung. Deshalb lohnt es sich, seine eigenen Schwerpunkte vor dem Kauf zu kennen.
Wenn du Landschaften fotografierst, brauchst du andere Eigenschaften als bei Tier-, Sport- oder Porträtaufnahmen. Wenn du eine Kamera hast, die für deine bevorzugten Motive gut geeignet ist, wird dir das Fotografieren leichter fallen und du wirst bessere Chancen auf gelungene Fotos haben.
Es geht also weniger darum, die technisch beste oder teuerste Kamera zu kaufen. Was wirklich zählt, ist, dass deine Kamera die Motive unterstützt, die du am häufigsten fotografierst. Wenn du dich an deinen fotografischen Interessen orientierst, fällt die Auswahl der passenden Kamera leichter.